Kompost

Geschichtliches
Die Behandlung tierischer Exkremente durch Kompostierung und Rückführung der organischen Stoffe ist schon seit tausenden Jahren bekannt.
Homer beschrieb in der Odyssee den Stallmist als Dünger, Aristoteles verfasste 350 vor Chr. die Humustheorie (nach der sich Pflanzen von Humus ernähren).
Mit der Entwicklung der Kanalisation ab etwa 1740 gingen die menschlichen Exkremente als natürlicher Dünger verloren, landwirtschaftliche Böden in der Nähe von Städten verarmten.
Um 1830 – 1840 ersetzte Justus von Liebig die Humustheorie durch die Mineralstofftheorie
(Pflanzen ernähren sich von Mineralstoffen die sie dem Boden entziehen).
Einige Kompostiermethoden wurden von dem Garten und Landschaftsarchitekten Max Karl Schwarz wieder entdeckt und weiterentwickelt und durch den einflussreichen Gartenarchitekten Alwin Seifert praktiziert. Seifert ist auch Autor, der durch sein Buch „Gärtnern, Ackern ohne Gift“ bekannt geworden ist.

Den Kompost kann man auch als „Bauch des Gartens“ nennen. In ihm verdauen zahlreiche Mikroorganismen, Asseln und Würmer die Garten und Küchenabfälle zu wertvoller Erde.
Die Rotte, eine andere Bezeichnung für Kompostierung, ist ein biologischer Prozess bei dem organisches Material zersetzt wird. Dies geschieht mit Hilfe von Sauerstoff, Bakterien, Pilzen und Wärme. Bei der Verrottung werden Kohlendioxide und wasserlösliche Minerale freigesetzt, wie Nitrate, Phosphate und Magnesiumverbindungen, die als Dünger dienen können.
Das Kompostmaterial verbessert den Boden der Garten und Landwirtschaft erheblich! Auch ist es zur Herstellung von Erdmischungen und Bodensubstraten sehr gut geeignet. Das reicht soweit, dass man getrost auf chemischen Dünger verzichten kann.

Die Lage und Sichtschutz
Eine gute Lage ist ein halbschattiger, windgeschützter Platz, etwas abgelegen in einem Garten. Dennoch ist ein Kompost vor zu starken Witterungseinflüssen wie brennende Sonne und starken Regen zu schützen. Dafür sind Hecken oder Rankgitter geeignet die gleichzeitig auch als Sichtschutz dienen.
Auch eine Kürbispflanze kann als Sichtschutz und Verschönerung verwendet werden. Die großen Blätter verdecken die Rotte und dienen gleichzeitig als Schattenspender. Und im Herbst kann man sich über große und wohlschmeckende Kürbisse freuen.

Der Untergrund
Ein Komposthaufen muß immer Kontakt zum Boden haben, damit die nützlichen Tiere aus dem Boden in den Haufen wandern können. Rindenmulch und Gehölzschnitt schützen von unten vor Staunässe und Fäulnis.

Die Mischung und was in den Kompost gehört
Damit der Kompost ein Optimum an Nährstoffen bekommt, muß er rechtzeitig ein breites Nahrungsmittelangebot bekommen.
Dazu gehören:
– saftiges Grün – Rasenschnitt, Wildkräuter, Gemüseabfälle aus der Küche
– trockener, holziger Abfall – geheckselter Astschnitt, Strauchreste, altes Laub.

Störstoffe wie Glas, Keramik, Kunststoffe, Gummi, Knochen oder Metalle haben hier nichts zu suchen! Auch Zitrusfrüchte, Bananenschalen, gekochte Essensreste und Einstreu vom Katzenklo gehören auch nicht auf den Kompost.
Am besten ist, sich ein kleines Zwischenlager für größere Mengen Geheckseltes anzulegen um es nach und nach beizugeben. Zerkleinerte Abfälle lassen sich von den Mikroorganismen besser zersetzten als ganze Früchte und Äste.
Wenn mal etwas Papier dazwischen gerät ist das nicht schlimm, Asche aus dem Grill oder Kamin sind sogar empfehlenswert, sie sind ein guter Dünger.
Auch Stallmist ist in Maßen gut für den Kompost.

Seine Bewohner
Die wohl bekanntesten Bewohner sind Regenwürmer. Der rote Mistwurm, auch als Kompostwurm (Eisenia fötida) bekannt, kann täglich sein 1 ½ faches seines Eigengewichts fressen. Er vermehrt sich schnell und sorgt für eine gute Krümelstruktur.

Asseln, Käfer, verschiedene Würmer, Tausendfüssler und andere kleine Tiere bewohnen den Komposthaufen und tragen dazu bei, dass sich alles gut zersetzen kann. Der Nashornkäfer gräbt sich im Haufen ein und legt dort seine Eier ab. Durch die warme Temperatur wächst die Larve schnell heran und wird wieder zum Käfer, so schließt sich der Kreislauf.

Die Belüftung
Um den Abbau des organischen Materials zu fördern ist Sauerstoff unbedingt nötig. Man kann von 2 Gramm Sauerstoff pro Gramm abgebauter organischer Substanz ausgehen.

Der Wassergehalt
Beim Abbau des organischen Materials wird Wasser gebildet. Durch die selbst gebildete Wärme verdunstet es aber auch wieder. Ein Wassergehalt von 40 – 60 % ist für die Verrottung optimal. Ist er zu niedrig (< 30 %) erschwert es den Transport der Nährstoffe, der Kompostiervorgang wird gebremst. Ein zu hoher (> 70 %) verstopft fast alle Poren und den Mikroorganismen steht nur noch wenig Sauerstoff zur Verfügung.

Das Umsetzten
Wer einen kleinen Kompost im Garten hat muß ihn nicht umsetzten. Anders sieht es bei größeren aus, hier kann zu viel Feuchtigkeit und Sauerstoff zu Fäulnis führen. Auch eine bessere Durchmischung und lockere Struktur ist ein gutes Ausgangsmaterial für optimalen Boden. Eine Höhe von 1 – 1,5 m sollte aber nicht überschritten werden.

Frischer Kompost sollte nach 3 – 6 Monaten einmal umgesetzt werden um dann noch mal einige Monate nachverrotten zu können. Nach ca 1 Jahr kann man den Kompost als reif sehen, er kann gesiebt und die Erde verarbeitet werden.

Ratten
Um Ratten und andere unerwünschte Nagetiere nicht anzulocken sollte der Komposthaufen mit einem Gitter geschützt sein. Es gibt speziell rattensichere Behälter zu kaufen.

Damit aber kein Rattenbefall passiert sollten keine gekochten Essensreste oder gar Fleisch mit eingearbeitet werden.

Der Komposter
Wir unterscheiden z.B. einen Thermokomposter und einen frei liegenden Haufen. Nach Untersuchungen von Stiftung Warentest gedeiht ein Kompost in einem geschlossenen System etwas schneller. Das liegt daran das dort weniger Luft rein kommt und dem entsprechend ergibt sich eine höhere Temperatur. Wichtige Kriterien wie Größe, Ungezieferschutz, Preis und Optik sollten aber beachtet werden.

Reifezeit und Temperatur
Der Rotteprozess ist immer Temperaturabhängig. Bei höheren Temperaturen, wie im Sommer, arbeiten die Mikroorganismen schneller als im Herbst oder gar im Winter.

In der Anlaufphase herrschen die mesophilen Organismen vor, die in den ersten 12 bis 24 Stunden bei 10 – 45°C aktiv sind. Nach der Selbsterwärmung von über 45°C werden die Keimzahlen geringer und die thermophilen Organismen verbreiten sich, die Wärme steigt auf 55°C an. Bei ca 75°C werden auch diese Organismen weniger, der Kompost heizt sich weiter auf und kann Temperaturen von bis zu 100°C erreichen. Nach 9 bis 12 Monaten ist der Reifeprozess so gut wie abgeschlossen.

pH – Wert und C/N Verhältnis
Ein pH Wert von 7 – 9 wäre optimal. Zum Anfang des Verwitterungsprozesses ist er bei 6,5, steigt dann aber wieder an.

Auch das C/N Verhältnis ist für die Vermehrung der Mikroorganismen wichtig. Sie brauchen Stickstoff, gibt es davon zu viel herrscht ein enges C/N Verhältnis und Ammoniak kann sich bilden. Mit Stroh oder Sägespäne kann man das wieder ausgleichen. Ist zu viel Kohlenstoff vorhanden kann man das mit Grasschnitt oder Klärschlamm beheben.

Ein optimales C/N Verhältnis ist 20:1 bis 25:1.

Nicht jeder hat die Möglichkeit sich einen Komposthaufen anzulegen. Man kann sagen, dass 2008 ca 65% aller Einwohner Deutschlands an die Biotonne angeschlossen waren. Eine gute Alternative zum Kompost. So wurden rund 8,6 Millionen Tonnen Bio und Grünabfälle erfasst und einer stofflichen und/oder energetischen Verwertung zugeführt.

Zudem kommen ca 969 Biogas und Vergärungsanlagen, 100 Klärschlammkompostsortierungsanlagen sowie 18 Anlagen zur sonstigen biologischen Aufbereitung dazu.

Es ist nicht von der Hand zu weisen das so ein Komposthaufen eine gute Sache ist. Wenn regelmäßig Komposterde angewendet wird, verbessert sich die Struktur des Bodens dauerhaft. Und durch die Nährstoffe kann man immer öfter auf chemischen Dünger verzichten. Man muß nicht unbedingt einen grünen Daumen haben um einen Kompost anzulegen.

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